Mit der Ankündigung von VMware, dass in Zukunft keine SD-Karten mehr als Boot- bzw. OS-Speichermedium erlaubt sind, war zumindest in meiner Bubble ein erhebliches Raunen zu hören. Zu allem Übel kamen dann auch noch Probleme in ESXi7U2 die innerhalb kürzester Zeit USB Sticks oder SD Karten zerstörten. In meiner Laborumgebung sind mir einmal die SD Karten im IDSM Modul von Dell kaputt gegangen und bei einem kleinen Kunden, der tatsächlich einen USB-Stick als Bootmedium eingesetzt hat, gingen sogar zwei USB-Sticks kaputt. Mittlerweile hat VMware seine Aussage nochmal revidiert und mit einigen Patches die Unterstützung von SD-Karten bedingt erlaubt. Allerdings ist die Marschrichtung klar und die Verwendung von SD Karten wird nur noch geduldet. Optimal ist es also nicht und sollte alsbald abgelöst werden.
Für die Dell Server ab der 14. Generation gibt es mit dem Dell BOSS-S1(Mittlerweile auch schon S2) Controller eine sehr schöne Alternative neben dem Hinzufügen von drehenden Platten. Allerdings funktioniert dieser Controller offiziell auch nur in der 14. Generation und höher. Viele Kunden, die noch mit der 13. Generation von PowerEdge-Servern unterwegs sind, fragen sich nun, wie es weitergeht. Sollte eine „sinnvolle Backplane“ vorhanden sein, macht das Hinzufügen von Festplatten vielleicht noch Sinn; wenn man aber auf ein Diskless-System setzt und nur einen SATA-Controller im Host verbaut hat, kann man nicht einmal ein RAID realisieren.
Ich habe mich mit dem Dell BOSS-S1 Controller mal näher beschäftigt und mir die Frage gestellt warum denn dieser Controller nicht auch unter der 13. Generation vom PowerEdge laufen sollte. Ich bin in den Besitz eines „nackten“ Controllers ohne SSDs gekommen. Meine Informationen waren, dass die Karte NVMe-SSDs aufnehmen würde, was mir erklären würde, warum sie nicht in einem PowerEdge der 13. Generation funktioniert. NVMe ist von der Technologie her nichts anderes als PCIe. Wenn ich zwei PCIe-Geräte über einen Adapter (BOSS-Controller) an einem PCIe-Anschluss betreiben möchte, brauche ich ein System, das PCIe Bifurcation unterstützt. Dies ist definitiv nicht gegeben. PCIe Bifurcation ermöglicht es mir, einen PCIe-x16-Anschluss in z. B. vier PCIe-x4-Anschlüsse zu splitten und damit vier Geräte an einem Anschluss zu betreiben. Allerdings ist der Dell BOSS-S1 gar kein NVMe-Controller, sondern ein reiner SATA-III-RAID-Controller mit M.2-Anschluss. Dies war tatsächlich die erste spannende Erkenntnis. Schaut man nun im Online Manual der Karte nach, findet man auch nur wenige M.2-SSDs, die offiziell unterstützt werden. Ich bin trotzdem das Risiko eingegangen und habe auf eBay zwei 128-GB-M.2-SATA-SSDs von SK hynix für 30 € gekauft.

Als die SSDs angekommen sind habe ich diese natürlich direkt verschraubt und die Karte in mein Dell PowerEdge R430 geschoben. Der Controller wird beim Booten direkt erkannt und zeigt auch die zwei SSDs an. Er zeigt auch an, dass diese nicht konfiguriert sind. Also habe ich mit F2 einen Blick ins BIOS gewagt. Dort wird der Boss Controller unter System Setup -> Device Settings -> BOSS-S1 Configuration Utility sogar aufgeführt. Die Freude war allerdings nicht groß. Nachdem ich auf „Create Raid“ geklickt habe konnte ich noch die SSDs auswählen und landete anschließend wieder im BIOS-Startbildschirm. Okay, das wäre natürlich auch zu einfach gewesen. Allerdings wollte ich mich so schnell nicht von meinem Vorhaben abbringen lassen. In einem Reddit-Beitrag hatte ich nämlich gelesen, dass es wohl mit einem Windows-Tool gehen muss.


Also mein nächster Schritt war klar. Ich schob zwei Festplatten in meinen PowerEdge, erstellte ein RAID 1 und installierte Windows Server 2022 in der Testversion. Die Installation über das iDRAC dauerte länger als erwartet. Ich habe die Zeit allerdings sinnvoll genutzt und mich auf die Suche nach dem Windows-Tool gemacht, das es mir ermöglichen soll, das RAID unter Windows zu konfigurieren. Das oben erwähnte Handbuch war leider nur beschränkt behilflich. Fündig bin ich dann auf der Dell Supportseite des R740 geworden. MVSETUP lautet das Tool. Liest man die Installationsanweisung ausführlich erhält man die Info, dass man noch einen Windows Management Treiber installieren muss, der sich ebenfalls bei den Downloads des PowerEdge-Servers befindet. Nachdem die Installation von Windows fertiggestellt war, durchsuchte ich erst einmal den Geräte-Manager nach dem Controller. Dieser war allerdings nicht direkt ersichtlich. Auch nachdem ich den Windows-Management-Treiber installiert hatte, tauchte kein Dell-BOSS-S1-Adapter auf. Das Tool hingegen war da schon gesprächiger und zeigte den Controller an. Nach etwas Suchen in der Hilfe bin ich dann auf den finalen Befehl gestoßen, der es mir ermöglicht hat, ein RAID 1 über die beiden SATA-SSDs zu erstellen.
mvsetup create -o vd -r1 -d 0,1 -n "ESXI Boot"

Nach einem Reboot von Windows waren beim Bootvorgang auch die beiden SSDs zu sehen und die Virtual Disk (RAID 1), die über die beiden Platten erstellt wurde.

Nun war es an der Zeit die Königsdisziplin auszuprobieren und VMware ESXi zu installieren.

Der Controller wird wie man sieht direkt erkannt und kann als Installationsmedium ausgewählt werden. Schon ein paar Minuten später bootet der ESXi von dem Boss Controller und verrichtet seine Dienste.

Ich betreibe das System jetzt seit einigen Wochen ohne Probleme und bin sehr glücklich über diese alternative Möglichkeit bei der 13. Generation der PowerEdge-Server. Meiner Meinung nach ist der fehlende Support ein Weg von Dell, den Kunden zum Kauf neuer Server zu bewegen — was ich durchaus verstehen kann. Trotzdem kann es für den einen oder anderen interessant sein, der seine Systeme über den regulären Supportzeitraum hinaus weiter betreiben möchte. Ich übernehme dafür aber keine Garantie 🙂
